Hilfe für Betroffene und Angehörige

Von Misophoniespricht man, wenn ganz normale Geräusche starke Wut oder Ekel auslösen. Die Lautstärke des Geräusches spielt dabei keine Rolle.

Charakteristisch für Misophonie sind extreme emotionale Reaktionen auf normale Geräusche (egal, ob diese als laut oder leise wahrgenommen werden) oder auch visuelle Eindrücke. Diese sogenannten „Trigger“ lösen starke emotionale Reaktionen aus. Charakteristisch ist die Art der auftretenden Gefühle wie Wut und Ekel im Gegensatz zur Angst, die bei den meisten anderen psychischen Störungen eine Hauptrolle spielt. Die Wut auf den Trigger kann durchaus unterschiedlich ausfallen und die ganze Bandbreite von Irritation bis Hass durchlaufen. Trigger beanspruchen die volle Aufmerksamkeit eines Misophonikers, denn sie lassen ihn an nichts anderes denken.
Sie fragen sich wahrscheinlich: „Wie können solche unscheinbaren Geräusche derart belastend sein? Wie (und warum) provozieren diese Geräusche solche irrationalen Ausbrüche von Wut und Ekel?“
Es ist schwer zu begreifen, dass etwas so Harmloses wie das Knirschen von Kartoffelchips oder ein Schniefen derart extreme Reaktionen auslösen kann. Vielleicht ist das alles nur Einbildung? Das kann doch gar nicht sein, das gibt es doch gar nicht! Aber leider gibt es das doch – und es ist noch dazu viel schlimmer als man es sich als Nicht-Betroffener vorstellen kann.

Auf diesen Seiten möchten wir über dieses Beschwerdebild informieren und vor allem Möglichkeiten aufzeigen, wie mit Misophonie umgegangen und wie sie behandelt werden kann.

Zu vermeidende Behandlungsmethoden

Oft wird Misophonie durch Unkenntnis wie eine Angst- oder Zwangsstörung mit Expositionsverfahren behandelt und es wird empfohlen, den sogenannten Triggergeräuschen nicht auszuweichen. Das führt bei Misophonie zum gegenteiligen Effekt, Triggerreaktionen werden dauerhaft verstärkt und jedes sich wiederholende Geräusch wird, wenn es während eines Triggers gehört wird, zu einem weiteren Trigger.

Ist Misophonie heilbar? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Was kann ich selbst tun?

Die Reaktion auf misophonische Trigger lässt sich auflösen oder zumindest mindern. Grundsätzlich gilt: Unter Stress getriggert zu werden, verschlimmert die Misophonie, unter Entspannung lindert sie.

Viele Misophoniker erfahren schon eine Erleichterung, wenn ihnen bewusst wird, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind und sich über die Misophonie informieren können. Sie können dann der Entstehung von neuen Triggern vorbeugen und dafür sorgen, dass sich vorhandene nicht verschlimmern. Dafür ist es wichtig, den Triggern aus dem Weg zu gehen. Der Versuch, sie auszuhalten, sorgt oft dafür, dass neue Trigger hinzukommen oder bestehende sich ausweiten. Denn getriggert zu werden, erzeugt Stress – und unter Stress gertriggert zu werden, verschlimmert die Misophonie. Ein Teufelskreis!

Im Misophonie-Alltag haben sich viele Maßnahmen bewährt:

  • Offen über Misophonie reden
  • Triggerfreie Oasen
  • Allgemeines Wohlbefinden
  • Hintergrundgeräusche, z.B. mit einem Ventilator oder einem Rauschgenerator
  • Tinnitus-Noiser
  • Die innere Einstellung
  • Die Unterstützung durch die Familie
  • Eine geräuschvolle Umgebung
  • Kopfhörer und Ohrstöpsel
  • Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung
  • Progressive Muskelentspannung (PME) nach Jacobson
  • Die “Keine Gefahr, aber trotzdem danke!”-Technik
  • Maßnahmen am Arbeitsplatz oder in der Schule

Auch Therapiemöglichkeiten gibt es einige. Prinzipiell sind alle Methoden, die Konditionierungen auflösen, wirkungsvoll.

  • “Konfrontation unter Entspannung”: z. B. die Neural-Repatterning-Technik (NRT)
  • Entspannung des Reflexmuskels
  • Die Sequent-Repatterning-Hypnotherapie (SRT)
  • Bestimmte verhaltenstherapeutische Techniken
  • Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)
  • PME als Therapie
  • Das Blockieren des Reflexes
  • TBT-Auditiv
  • Klopfakupressur (Zum schnelleren Auflösen der Wut)
  • Körperbasierte Techniken wie das myofaszialen Muskelzittern (TRE)

Ein großes Problem ist, dass die wenigsten Therapeuten bisher überhaupt von Misophonie gehört haben. Hier muss meist der Klient dem Therapeuten die Krankheit erklären, damit nicht die falsche Methode angewendet wird (z.B. Konfrontation unter Stress).