Rauschen gegen Misophonie

Rauschgeneratoren

DOHM Schlafhilfe SleepMate und LectroFan sind zwei Beispiele für Rauschgeneratoren, oft als Einschlafhilfe in den Shops zu finden. Man stellt sie auf den Tisch und bei Bedarf drückt man einen Knopf. Dann rauscht es, und im optimalen Fall ist der Trigger nicht mehr hörbar. Manchmal nervt das Geräusch allerdings auch andere Beteiligte, die am Tisch sitzen. Dann greift man doch besser zur geräuschlosen Methode über Kopfhörer.

Rausch-Apps

Misophonische Reaktionen scheinen stärker zu sein, wenn der Trigger das einzige wahrnehmbare Geräusch ist. Wenn es still ist, fällt der Trigger noch mehr auf, da es keine konkurrierenden Geräusche gibt. Wenn es gelingt, die Klarheit des Triggergeräusches mit Hilfe anderer Geräusche zu dämpfen, kann man die misophonische Reaktion minimieren oder gar ganz verhindern. Hier kommt das Rauschen ins Spiel. Das kann weißes oder rosa Rauschen sein, aber auch Regen oder Ozeanwellen funktionieren sehr gut und werden meist als angenehmer empfunden. Nun kann man einfach ein Rauschen bei Youtub suchen und als Dauerschleife abspielen. Aber es gibt auch Apps, die sich aufs Rauschen spezialisiert haben. Zwei davon sind TMSOFT White Noise und White Noise Market. Wenn diese Apps laufen, werden andere Umgebungsgeräusche nicht mehr so laut wahrgenommen. Dabei kann das Smartphone das Rauschen über den Lautsprecher als auch über Ohrhörer mit und ohne Noise Cancelling abspielen. Ein positiver Effekt ist immer vorhanden.

Apps zur Trigger-Entkonditionierung

Misophonia Trigger Tamer, Visual Trigger Tamer, Misophonia Reflex Finder sind Apps, die Thomas Dozier entwickeln lassen hat. Dabei geht man davon aus, dass Trigger, wenn sie so leise abgespielt werden, dass sie den Misophoniker nicht triggern, zur Entkonditionierung beitragen. Dabei ist Bedingung, dass sich der Misophoniker gleichzeitig sehr wohl fühlt. Deshalb spielt die Trigger Tamer App zwei Dateien gleichzeitig ab: Einmal sehr leise das Triggergeräusch und zum anderen eine Musik, bei der sich der Misophoniker möglichst wohlfühlt. Der Visual Trigger Tamer macht das gleiche mit visuellen Triggern. Der kostenlose Reflex Finder spielt lediglich sehr leise den Trigger ab, so dass man seinen Triggermuskel besser spüren kann.

In der Praxis stoßen viele Misophoniker auf Probleme, diese Apps zu nutzen: Mal ist es schwierig, das Triggergeräusch aufzunehmen, mal reagiert man überhaupt nicht auf Trigger, wenn sie ‘vom Band’ abgespielt werden, oder es ist schwierig, in eine positive, fröhliche Grundstimmung zu kommen.

Ein Tipp: Ist man in der Lage, Musik und Trigger gleichzeitig abzuspielen (z.B. auf dem PC mit zwei geöffneten Abspielfenstern), dann kann man die Funktionsweise der Apps damit emulieren und sich die Anschaffung sparen.

Bose QC20 bei Misophonie

Bose QC 20

Ein Testbericht von Andreas Seebeck

Noise-Cancelling bei Misophonie

Inwieweit helfen Kopfhörer mit aktiver Umgebungsgeräuschunterdrückung wie der Bose QC20 bei Misophonie?
Das Aushalten von Triggern verschlimmert die Misophonie dauerhaft, das ist mittlerweile bekannt. Aber was, wenn es gerade schwierig ist, sich an einen triggerfreien Ort, eine triggerfreie Oase zurückziehen kann? Dann können Ohrstöpsel und Kopfhörer helfen, um dem emotionalen und physiologischen Stress zu entkommen. Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung, wie die Bose QC20 oder QC25 können bei Misophonie recht nützlich sein. Ganz neu gibt es auch die kabellose Variante, die Bose QuietComfort® Earbuds. Jedoch benötigen Sie zusätzlich meist noch ein Rauschen, um Ihre Trigger wirklich ausreichend zu blockieren.

Ich benutze die QC20 jetzt seit 2015 und mag sie, weil

  • sie sehr bequem zu tragen sind
  • sie eine sehr lange Akkulaufzeit haben (über 6 Stunden)
  • sie Geräusche sehr effektiv wegfiltern
  • und nicht zuletzt, weil sie auch ohne weiteres Gerät einsetzbar sind

Allerdings gibt es auch einen Nachteil: Die Kabel stören oft und sind sehr auffällig. Die Dinger heimlich zu benutzen ist nicht möglich.

Kopfhörer mit Rauschunterdrückung QC20

Wichtig: Die Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen hängt stark davon ab, wie Ohrform und Ohrhörer zusammenpassen. Ich habe schon Klienten gehabt, die aufgrund ihrer Ohrform nicht den geringsten Unterdrückungseffekt wahrnehmen konnten. Deshalb ist es wichtig, dass man die Kopfhörer in der Praxis testen und gegebenenfalls wieder zurückgeben kann!

Bose QC20 bei Amazon

Bose QuietComfort® Earbuds

Bose QuietComfort Earbuds

Ein Testbericht von Andreas Seebeck

Können die neuen Bose QuietComfort® Earbuds bei Misophonie helfen?

Es hat lange gedauert, bis Bose endlich eine kabellose Variante des Modells “QuietComfort 20” herausgebracht hat. Die dicken schwarzen Kabel des Vorgängermodells fallen doch sehr auf, ich hatte mir schon lange das gleiche Modell ohne Kabel gewünscht. Die neuen Bose QuietComfort® Earbuds sind, anders als andere Noise Cancelling Earbuds, glücklicherweise ebenfalls keine In-Ear Kopfhörer. Sie liegen also nur auf dem Gehörgang, müssen nicht hineingesteckt werden. Das erhöht den Tragekomfort: Alle In-Ear Geräte, die ich bis jetzt ausprobiert habe, taten entweder nach kurzer Zeit weh oder, wenn sie bequem saßen, hatten keinen Geräuschunterdrückungseffekt mehr.
Weil ich herausfinden wollte, inwieweit die Bose QuietComfort® Earbuds bei Misophonie helfen, habe ich sie mit verschiedenen Triggergeräuschen getestet: Kauen, Nase hochziehen, Atmen und Husten.

Das Ergebnis

In allen Fällen wurde die Lautstärke der Triggergeräusche erheblich gemindert. Normale Kaugeräusche und Atmen wanderten unter meine Hörschwelle. Bei Nase Hochziehen und Husten habe ich ein moderates Regenrauschen abgespielt, um die Geräusche ganz oder fast ganz auszublenden.

Vorteile

  • Keine Kabel (fällt nicht so auf)
  • Sehr gute Unterdrückung der Umgebungsgeräusche, besonders mit zusätzlich abgespieltem Rauschen
  • Nicht In-Ear (lange bequem tragbar)

Nachteile

  • Nur in Verbindung mit dem Smartphone benutzbar
  • Nicht ganz so bequem wie die QC 20, weil das Gummi etwas weniger weich ist
  • Teuer

Bose QuietComfort® Earbuds bei Amazon